Aktuell

 

nativitas domini

 

Gesegnete Weihnachten
und ein gnadenreiches neues Jahr 2007

wünschen Ihnen

für die Militia Sanctae Mariae/ Deutsches Priorat:

+ Altabt Dr. Thomas Niggl OSB, Prioratskaplan
Gunther Maria Michel, Prior

Hl. Papst Gregor der Große

HOMILIE 8

Gehalten vor dem Volk in der Basilika der seligen Jungfrau Maria, am Tage der Geburt der Herrn [wahrscheinlich am + 25.12.590]
 

Lesung des heiligen Evangeliums nach Lukas 2, 1-14
 

   Da wir heute mit der Gnade Gottes dreimal die Festmesse feiern werden, können wir nicht allzu lange über die Lesung des Evangeliums sprechen. Doch drängt uns gerade die Geburt des Erlösers, wenigstens kurz etwas zu sagen. Was bedeutet es, daß bei der Geburt des Herrn die ganze Welt aufgezeichnet wird? Hierin zeigt sich ganz deutlich, daß jener im Fleisch erschien, um seine Erwählten in der Ewigkeit einzuschreiben. Im Gegensatz dazu wird über die Verworfenen beim Propheten gesagt: „Sie seien aus dem Buch der Lebenden getilgt und nicht bei den Gerechten verzeichnet" (Ps 69,29: Vg. Ps 68,29). Sinnvollerweise wird er auch in Betlehem geboren. Betlehem ist ja als „Haus des Brotes" zu übersetzen. Er selbst ist es nämlich, der spricht: „Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist" (Joh 6,51). Der Ort also, wo der Herr geboren wird, wurde schon zuvor Haus des Brotes genannt, denn es sollte tatsächlich jener dort im Fleische erscheinen, der den Geist der Erwählten mit innerer Sättigung wieder kräftigte. Er wird nicht im Elternhaus geboren, sondern auf der Reise, um deutlich zu zeigen, daß er durch die Menschheit, die er angenommen hatte, sozusagen in der Fremde geboren wurde. „In der Fremde" beziehe ich nicht auf seine Macht, sondern auf seine Natur. Denn über seine Macht steht geschrieben: „Er kam in sein Eigentum" (Joh 1,11). In seiner eigenen Natur ist er ja vor aller Zeit gezeugt, in unserer Natur erschien er in der Zeit. Da also der ewig Bleibende als Zeitlicher erschien, bedeutet für ihn Fremde, wohin er hinabstieg. Und da durch den Propheten gesagt wird: „Alles Fleisch ist Gras" (Jes 40, 6), hat der Menschgewordene unser Gras in Weizen verwandelt, wenn er von sich selbst sagt: „Wenn nicht das Weizenkorn in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein" (Joh 12,24). Daher wird er auch als Neugeborener in eine Krippe gelegt, um alle Gläubigen als heilige Geschöpfe mit dem Weizen seines Leibes wieder zu kräftigen, damit sie nicht die Speise ewiger Einsicht entbehren müssen. Was bedeutet es aber anderes, daß den wachenden Hirten ein Engel erscheint und die Herrlichkeit Gottes sie umstrahlt, als daß vor allen anderen diejenigen Himmlisches zu schauen verdienen, die es verstehen, die Herden der Gläubigen achtsam zu führen. Indem sie selbst pflichtgetreu über die Herde wachen, erstrahlt die himmlische Gnade über ihnen um so reicher
   Der Engel verkündet aber die Geburt eines Königs, die Chöre der Engel stimmen in sein Verkünden ein, und voller Mitfreude rufen sie: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen guten Willens" (Lk 2,14). Bevor nämlich unser Erlöser im Fleisch geboren wurde, lebten wir mit den Engeln in Zwietracht, von deren Klarheit und Reinheit wir infolge der ersten Schuld, infolge der täglichen Vergehen weit entfernt waren. Da wir durch das Sündigen Gott entfremdet waren, betrachteten uns die Engel, die Bürger Gottes, als außerhalb ihrer Gemeinschaft stehende Fremdlinge. Doch da wir unseren König erkannten, haben uns die Engel als ihre Mitbürger anerkannt. Da nämlich der König des Himmels unser irdisches Fleisch angenommen hat, verachtet jene erhabene Engelswelt unsere Schwäche nicht mehr. Die Engel schließen wieder Frieden mit uns und denken nicht mehr an die frühere Zwietracht; und die sie zunächst als schwach und verworfen verachtet hatten, achten sie nun als ihre Gefährten. Daher kommt es, daß Lot (vgl. Gen 19,1) und Josua (vgl. Jos 5,15) sich vor den Engeln zu Boden warfen und nicht daran gehindert wurden, dies zu tun. Johannes aber wollte sich bei seiner Offenbarung vor dem Engel zu Boden werfen, doch hielt ihn der Engel davon ab, indem er sprach: „Laß ab, ich bin nämlich dein Mitknecht und einer deiner Brüder" (Offb 22,9). Weshalb werden vor der Ankunft des Erlösers die Engel von den Menschen in jener Weise verehrt und schweigen dazu, meiden aber anschließend diese Art von Verehrung? Es gibt nur einen Grund: Sie fürchten den Anblick, wie unsere Natur vor ihnen auf dem Boden liegt, die sie zunächst verachtet hatten, später jedoch noch über sich selbst erhöht sehen. Und sie wagten es nicht mehr, diese Natur wegen ihrer Schwäche als ihnen unterlegen zu verachten, die sie weit über sich am König des Himmels verehren. Sie halten es nicht mehr für unangemessen, den Menschen zum Gefährten zu haben, da sie über sich den Gottmenschen anbeten. Sorgen wir also dafür, geliebte Brüder, daß uns nichts Unreines beflecke, die wir im ewigen Vorauswissen sowohl Bürger Gottes als auch seinen Engeln gleichgestaltet sind. Bewahren wir im Lebenswandel unsere Würde. Keine Unzucht möge uns besudeln, kein schändlicher Gedanke anklagen, keine Bosheit am Herzen nagen, kein Rost von Neid an uns fressen, kein Hochmut uns aufblähen, keine Gier nach irdischen Vergnügungen uns zerreißen und kein Zorn entflammen. Denn „Götter" wurden die Menschen genannt. Verteidige dir also, Mensch, gegen die Laster deine göttliche Würde, denn um deinetwillen ist Gott Mensch geworden, der lebt und herrscht in alle Ewigkeit. Amen.

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