Aktuelles

An dieser Stelle werden aktuelle Meldungen des Ordens in chronologischer Reihenfolge veröffentlicht.

 

Beiträge, welche älter als vier Monate sind, finden Sie in unserem gut sortierten Archiv.

Rundbrief "Maria siegt!" 01 2020 erschienen

 

Im neuen Rundbrief der Militia Sanctae Mariae behandelt Prof. Dr. Roland Süßmuth die Veränderungen im Familienbild sowie die Rolle des Staates vor und nach den ideologischen Umwälzungen von 1968. Interessenten, welche den Rundbrief noch nicht erhalten haben, können diesen gerne über das Kontaktformular anfordern.

Münster, 09. Mai 2020, am Fest des hl. Bischofs und Kirchenlehrers Gregor von Nazianz

 Der Synodale Weg

der Deutschen Bischofskonferenz

und des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK)

Hinweise des Ordens der Ritter Unserer Lieben Frau (Priorat P. Pio)

an Mitglieder und Interessenten

 

Liebe Brüder und Schwestern des Ordens, verehrte Interessenten,

seit dem Ersten Advent 2019 befindet sich die deutsche katholische Kirche auf dem „Synodalen Weg“. Nach den Erschütterungen durch sexuelle Missbräuche von Klerikern, sollen jetzt neue Wege beschritten und in diesem Zug auch Bewährtes hinterfragt werden. Die kirchenrechtlich nicht definierte Konstruktion des „Synodalen Weges“ ermöglicht es, dass Laien gleichberechtigt mit Bischöfen Beschlüsse fassen können, die für alle Beteiligten bindend sind.

 

Der „Synodale Weg“ beziehungsweise dessen Ergebnisse werden die Entwicklung der katholischen Kirche in Deutschland für die nächsten Jahrzehnte nachhaltig prägen. Um zu erahnen, welche Früchte am Ende dieses Weges erwartet werden können, hilft es, einen genauen Blick darauf zu werfen, auf welcher Basis die Beratungen des „Synodalen Weges“ fußen. Deshalb wird im weiteren Verlauf dargestellt, welche Inhalte die vier sogenannten Synodalforen („Macht und Gewaltenteilung in der Kirche“, „Priesterliche Existenz heute“, Frauen in Diensten und Ämtern in der Kirche“ und „Liebe leben in Sexualität und Partnerschaft“) haben, welche als Basis für die Beratungen der Synodalversammlung dienen.

 

Die folgenden Ausführungen sind erstmals in der Print-Ausgabe des 36. Rundbriefes des Philipp Jenningen-Kreis, Initiativkreis katholischer Laien und Priester in der Diözese Rottenburg-Stuttgart e.V. erschienen und werden auch von einem Mitglied unseres Ritterordens redaktionell verantwortet. Die Veröffentlichung auf unserer Website erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Herausgeber.

 

Forum „Macht, Partizipation, Gewaltenteilung“

 

Das Forum „Macht, Partizipation, Gewaltenteilung“ hat es sich zum Ziel gesetzt, die hierarchische Struktur der Kirche aufzubrechen und die Laien am Lehr- und Hirtenamt der Bischöfe zu beteiligen. In dieser Frage geht es jedoch nicht um etwas, worüber die Bischöfe nach Ermessen verfügen können. Denn Christus hat den Auftrag zur Feier der Eucharistie, die Vollmacht, Sünden zu vergeben und alles zu lehren, was er ihnen geboten hat, nur den zwölf Aposteln erteilt und zugleich dem Petrus die höchste Leitungsgewalt übertragen („Weide meine Schafe“). So hat es die katholische Kirche immer verstanden und in der Weihe zum Bischof oder Priester ein vom Herrn eingesetztes Sakrament gesehen. Dieses sakramentale Priestertum ist seinem Wesen nach vom allgemeinen Priestertum aller Getauften verschieden. Deshalb spaltet die Kirche, wer die Leitungsgewalt von der sakramentalen Weihe zu trennen versucht. Da das Amt der Bischöfe göttlichen Rechts ist, liegt es nicht in ihrer Kompetenz, die mit diesem Amt verbundenen Rechte und Pflichten zu begrenzen. Eine Kirche, die davon abrücken würde, wäre nicht mehr katholisch und apostolisch.

 

„Macht“ in der Kirche ist zudem immer nur Vollmacht zu einem Dienst und niemals Willkürherrschaft über Menschen. Es ist deshalb völlig abwegig, „Schluss mit Absolutismus und Diktatur“ zu rufen. Die Forderung nach Begrenzung und Kontrolle bischöflicher „Macht“ durch „Demokratie“ geht davon aus, dass sich das, was für den Staat gilt, auch auf die Kirche übertragen lässt. In der Kirche geht jedoch die Gewalt nicht vom Volk aus, sondern von dem, dem alle Gewalt gegeben ist, im Himmel und auf der Erde. Christus ist das Haupt der Kirche, die deshalb hierarchisch verfasst ist. Und auf jeder Stufe dieser Hierarchie, vom Papst bist zum einfachen Gläubigen, gibt es nur Diener Gottes und keine Herren. In dieser Hinsicht stehen sich Bischöfe und „Kirchenvolksbegehrer“ tatsächlich in Augenhöhe gegenüber.

 

 

Forum Sexualmoral

 

Bei seinem Vortrag vor den Bischöfen hatte der Moraltheologe Eberhard Schockenhoff für eine Revision der überlieferten kirchlichen Sexualmoral plädiert. Vorehelicher Geschlechtsverkehr, Selbstbefriedigung, künstliche Empfängnisverhütung und homosexuelle Lebensgemeinschaften seien nicht länger als sündhaft zu betrachten, sondern positiv zu würdigen. Vom Forum Sexualmoral wurde ein Arbeitspapier erstellt, in dem diese Themen uneingeschränkt übernommen und als von der Mehrheit vertretene Position deklariert wurden. Damit ist klar, dass der Synodale Weg, nach dem Willen der ihn treibenden Kräfte, das bestehende Gebäude katholischer Sexualmoral zum Einsturz bringen will.

 

Die katholische Sexualmoral beruht auf dem, was Gott den Menschen ins Herz geschrieben hat (Röm. 2,10), auf den von Christus bestätigten zehn Geboten, sowie auf dem, was die Apostel und ihre Nachfolger bis in unsere Zeit beständig gelehrt haben. Ihrer biologischen Bestimmung nach ist die menschliche Sexualität das von Gott geschaffene Mittel zur Weitergabe des menschlichen Lebens. Der Mensch hat durch seine Sexualität Anteil an der Schöpfermacht Gottes. Sexualität hat deshalb unmittelbar etwas mit Gott zu tun. Regeln, die sie normieren, sind daher kulturübergreifend religiös legitimiert. Sie sollen garantieren, dass der göttliche Auftrag der Erhaltung und Vermehrung des Menschengeschlechts erfüllt wird. Für Katholiken ist die Ehe zudem ein Sakrament. Gott verbindet in ihr zwei Menschen für ihr ganzes Leben. Dadurch erhält die Sexualität eine Würde, die über die ihr von Natur aus gegebene noch hinausgeht und jedes Banalisieren sexueller Praxis verbietet. In der Ehe ist Sexualität ein integraler Bestandteil dieser personalen Beziehung. Das Verlangen nach lebenslanger Bindung ist dem Menschen von Gott ins Herz geschrieben, oder, modern ausgedrückt, ein angeborenes Verhalten in seinen Genen fixiert. Dadurch ist der Mensch, wie der Humantheologe I. Eibel-Eibelsfeldt sagt, „emotional in seiner Sexualphysiologie an die dauernde Partnerschaft angepasst.“

 

Sollte der Synodale Weg Beschlüsse im Sinne der von Schockenhoff erhobenen Forderungen fassen, dann würde er nicht nur dem widersprechen, was von den Kirchenvätern bis zu den jüngsten Äußerungen des Lehramts dazu gesagt worden ist, sondern auch den Boden der Heiligen Schrift verlassen. Der Apostel Paulus schreibt im Römerbrief, dass gleichgeschlechtlicher Verkehr die „größte Schändlichkeit“ ist und vom Reich Gottes ausschließt. Homosexuelle Lebensgemeinschaften positiv zu würdigen, ist deshalb nur um den Preis der Verkündigung eines „anderen Evangeliums“ zu haben. Den Boden beständiger, von der Heiligen Schrift inspirierten Lehre würde der Synodale Weg auch dann verlassen, wenn er außerehelichen Geschlechtsverkehr, Selbstbefriedigung und künstliche Empfängnisverhütung rechtfertigen wollte. Was die Verhütung angeht, genügt ein Blick auf die Bevölkerungsentwicklung jener Nationen, in denen künstliche Verhütung praktiziert wird. In wenigen Generationen werden sie nicht mehr existieren. Wo man sich anmaßt, in die biologische Natur des Menschen einzugreifen, ist der Fortbestand der Population in Gefahr. Mit den Menschen wird in diesen Ländern auch die Kirche verschwinden.

 

Die „Pille“ hat die Einstellung der Frauen, leider auch der katholischen, zu ihrer Sexualität und zum Kind grundlegend verändert. Sie hat dafür gesorgt, dass vor- und außerehelicher Geschlechtsverkehr, Promiskuität und sexuelle Verwahrlosung weit verbreitet geworden sind. Im Gefolge dieser Entwicklung kam es zu einer Änderung weiblicher Mentalität, die im unerwünschten Kind einen „Unfall“ sieht, dessen Folgen sich durch Abtreibung beseitigen lassen. Wenn E. Schockenhoff dennoch der Meinung ist, dass die „Pille“ einen “Dienst am Leben“ leistet, dann zeigt dies nur, wie weit sich die katholische Universitätstheologie den Blick auf die Realität verbietet, wenn ihr diese im Weg steht.

 

 

Forum Zölibat

 

Ein Ziel der Initiatoren des Synodalen Weges ist es, den Zölibat als die verpflichtende Lebensform des katholischen Priesters abzuschaffen. Durch die Weihe wird aber der Priester ein anderer Christus, den er repräsentiert und nachzuahmen versucht. Daher liegt es nahe, dass er sich auch die Lebensform des Herrn zu eigen macht. Diese ist ein sichtbares Zeugnis für den Glauben an Gott und an die Lehre der Kirche. Indem der Priester durch den Zölibat sein Leben ganz Gott übergibt, garantiert er mit seiner Existenz für die Wahrheit des Evangeliums. Wie kein anderes Zeichen weist der Zölibat darauf hin, dass das Reich Gottes nicht von dieser Welt und unsere Heimat im Himmel ist. Die Ehelosigkeit gibt dem Priester eine große Freiheit bei der Verkündigung des Wortes Gottes. Wenn in Zeiten der Verfolgung Familienväter mit Rücksicht auf Frau und Kinder verstummten, scheuten sich zölibatär lebende Priester nicht, die Wahrheit auch dann zu sagen, wenn dies für sie mit Gefahr für Leib und Leben verbunden war. Daher erlitten in den Konzentrationslagern Hitlers eine große Zahl von Priestern das Martyrium.

 

Die schrecklichen Missbrauchsfälle sind keine Folgen des Zölibats. Sie lehren uns aber, dass die Kirche nicht länger Männer mit tief sitzenden homosexuellen Neigungen zu Priestern weihen darf. Solange man dies nicht beachtet, wird es auch in Zukunft zu Missbrauch kommen. Die Einsicht in diesem Zusammenhang scheint bei vielen Bischöfen noch zu fehlen, obwohl er auf der Hand liegt. Der Klerikalismus dürfte in diesem Zusammenhang nur in den wenigsten Fällen schuld sein, auch wenn Papst Franziskus ihn als Ursache favorisiert.

 

Es gibt gute Gründe dafür, anzunehmen, dass der priesterliche Zölibat eine bis auf die Apostel zurückgehende Tradition ist, die in den ersten Jahrhunderten als Enthaltsamkeitszölibat gelebt wurde. Von verheirateten Männern, die zu Priestern geweiht wurden, verlangte sie das Führen einer Josefsehe. Für die Kirchenväter ist der Zölibat des Klerus apostolisch, schriftgemäß und unaufgebbar und damit nach heutiger Terminologie „göttlichen Rechts“, schreibt Stefan Heid in seinem Standardwerk zur frühen Geschichte des Zölibats. Über apostolische Traditionen göttlichen Rechts kann die Kirche nicht nach Gutdünken verfügen und schon gar nicht eine Teilkirche. Die Einführung der „viri probati“ würde die Tradition des Zölibats faktisch beenden und damit die Kirche in Deutschland einer Gnadengabe berauben, heißt es in einem offenen Brief von Priestern der Diözese Paderborn. Die Synodalen hätten die Nachfolge Christi und die Perspektive der Einheit aus den Augen verloren und deshalb kein Verständnis dafür, dass der Zölibat der Priester ein notwendiges Zeichen der Ganzhingabe an Gott ist.

 

 

Forum Frauen in Diensten und Ämtern der Kirche

 

Seit den 70er Jahren hat der Feminismus mit seiner Forderung nach Gleichberechtigung von Mann und Frau auch die Kirche erreicht. Schon die Würzburger Synode forderte 1975 den Papst auf, die Zulassung der Frau zum Diakonat zu prüfen. Heute gibt es eine breite Strömung von Frauen, die wie z.B. die Initiative Maria 2.0, die die Zulassung zu allen drei Stufen des Weiheamtes, also zu Diakonat, Presbyteriat und Episkopat verlangen. Auch bei den weiblichen Orden stoßen solche Forderungen auf offene Ohren. So gibt es Ordensfrauen, die behaupten, der Ausschluss der Frau vom Sakrament sei kein Dogma, es gebe keine theologischen Gründe, die gegen die Frauenweihe sprechen und Frauen sollten jetzt die Machtfrage stellen. Bei den Bischöfen finden sie überwiegend Verständnis für ihre Anliegen. Mit der Versicherung, dass man ihre Wut und Enttäuschung verstehe und dass die Weihe von Frauen nur „derzeit“ noch nicht möglich sei, weil Rom dafür noch keinen Spielraum lasse, werden sie in der Erwartung gestärkt, dass es nur eine Frage der Zeit sei, bis das römische Bollwerk dem Druck der Basis nachgeben und in dieser Frage „Geschlechtergerechtigkeit“ herstellen werde.

 

Nun ist die Frage der Ordination der Frau aber bereits 1994 von Papst Johannes Paul II entschieden worden. In seinem Lehrschreiben „Ordinatio Sacerdotalis“ hat er erklärt, dass die Kirche keine Macht hat, Frauen zu Diakonen, Priestern und Bischöfen zu weihen. Andernfalls würde sie dem Beispiel des Herrn nicht treu bleiben. Als diese Lehre von, vor allem deutschen Theologinnen zurückgewiesen wurde, erklärte die Glaubenskongregation, dass die Lehre des Papstes definitive Zustimmung erfordere, da sie im geschriebenen Wort Gottes begründet und in der Tradition der Kirche von Anfang an bewahrt und angewandt worden sei. Vom ordentlichen und universalen Lehramt werde sie deshalb unfehlbar vorgetragen. Sie gehöre zur „Hinterlassenschaft des Glaubens“ (DH 5041). Papst Benedikt XVI und Papst Franziskus haben diese Lehre ihres Vorgängers bestätigt.

 

Der Herr hat die Feier seines Gedächtnismahles zwölf Männern anvertraut und nicht den Frauen, die ihm als Jüngerinnen gefolgt sind. Dies gilt es zu respektieren. Der Glaube kann darin keine Zufallsentscheidung sehen. Ein weibliches Priestertum würde, so versucht Hanna Barbara Gerl-Falkovitz diese Entscheidung Christi zu verstehen, die „symbolische Ordnung“ der Schöpfung und der Repräsentation des „neuen Adam“ Christus außer Kraft setzen. Die im Willen des Schöpfers begründete Verschiedenheit von Mann und Frau bedeutet, über den biologischen Unterschied hinaus, eine Verschiedenheit im Wesen. Daher ist der Leib des Menschen für den Theologen K.H. Menke „symbolischer bzw. sakramentaler Ausdruck der Verschiedenheit von Mann und Frau“ und deshalb auch „das Mann-Sein des Mensch gewordenen Logos“ nicht bedeutungslos. Die Entscheidung des Lehramtes sei daher kein Affront gegen die Gleichberechtigung der Frau, sondern ein Bekenntnis zu einer sakramentalen Ekklesiologie und Anthropologie.

 

Der Wesensunterschied von Mann und Frau betrifft besonders ihre Beziehung zum Kind. Nur die Frau kann Kinder empfangen, austragen und gebären. Aus diesem Privileg resultiert eine angeborene Bindung an das Kind, die die stärkste Bindung zwischen Menschen ist, die es gibt. Das ganze Leben der Frau wird davon geprägt. Ihr obliegt daher auch in besonderer Weise die Weitergabe des Glaubens, indem sie ihre Kinder zu religiösen und verantwortungsbewussten Menschen erzieht. Diese ihr von Gott zugewiesene Aufgabe, Mutter zu sein, ist für die Menschheit von elementarer Bedeutung. Während der Priester mit seiner ganzen Existenz Gott bezeugt, geht die Frau mit ihrer ganzen Existenz in der Erfüllung von Gottes Schöpferwillen auf. Beides gleichzeitig zu verwirklichen, würde entweder zu Lasten des priesterlichen oder des mütterlichen Dienstes gehen. Wenn heute dennoch Frauen vehement ins Amt des Priesters drängen, dann ist dies die Folge eines atheistischen Feminismus, der ihnen vorspiegelt, sie durch „Gleichberechtigung“ zu glücklicheren Menschen zu machen. In Wahrheit verkaufen sie ihr Herz an eine kalte Ideologie, die sie um ein erfülltes Leben als Frau und Mutter bringt. In den Kibbuzim Palästinas gaben Frauen ihre Kinder so lange dem Kollektiv, bis sie merkten, welchen Schaden sie sich dadurch und ihren Kindern zufügten. „Die Biologie setzt sich auf Dauer gegen die Ideologie durch“ kommentierte ein Verhaltensbiologe dieses Lehrstück. (…)

 

Soweit die vom Philipp Jenningen-Kreis übernommenen Erklärungen über die vier Foren des Synodalen Weges.

 

Der Orden der Ritter Unserer Lieben Frau ruft alle Mitglieder dazu auf, für die deutschen Bischöfe zu beten, damit diese sich – wenn die Wölfe kommen – als wahre Hirten und Diener Jesu‘ Christi erweisen mögen!

 

Maria siegt!

 

Br. Peter Böhm

Beauftragter des Meisters für das Priorat P. Pio
Ecce ego quia vocasti me (1. Sam 3, 6)

 

Stellungnahme des Ordens
der Ritter Unserer Lieben Frau / MILITIA SANCTAE MARIAE
(Priorat P. Pio)

zur Aufhebung des Verbots der geschäftsmäßigen Sterbehilfe.

 

Der Orden der Ritter Unserer Lieben Frau verurteilt die Aufhebung des Verbots der geschäftsmäßigen Selbsttötung durch das Bundesverfassungsgericht (Urteil vom 26.02.2020) mit allem Nachdruck! Er sieht  darin einen weiteren Dammbruch auf dem Weg des deutschen Gesetzgebers weg von einem christlichen Menschenbild, wie es in der Präambel des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland von den Vätern des Grundgesetzes definiert wurde.

 

In diesen Zeiten der Umkehrung der Werte ruft die MILITIA SANTAE MARIAE allen Christen in Erinnerung, daß nach katholischem Verständnis die Beihilfe zur Selbsttötung ein schwerwiegender Verstoß gegen das Sittengesetz darstellt, welcher mit der automatischen Exkommunikation der Beteiligten einhergeht (vgl. Kompendium des Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 470). Somit verbietet es sich für jeden katholischen Christen, solche Praktiken gutzuheißen oder sich an solchen aktiv oder passiv zu beteiligen.

 

Zugleich ruft der Orden dazu auf, für die Entscheidungsträger in Gesellschaft und Politik zu beten, damit diese die Kraft haben, am christlichen Menschenbild festzuhalten – zum Wohle aller Menschen in unserem Land!

 

Äußerung des hochwürdigsten Herrn Bischofs Rudolf Voderholzer von Regensburg zum Recht auf "selbstbestimmtes Sterben"

 

 

In seiner Predigt am Aschermittwoch äußerte sich der Bischof von Regensburg zur Aufhebung des Verbots der geschäftsmäßigen Förderung der Selbsttötung durch das deutsche Bundesverfassungsgericht am 26.02.2020. Mit Erlaubnis des Bistums Regensburg geben wir hier eine Zusammenfassung der Predigt wieder, wie sie am 27.02.2020 auf der Website des Bistums veröffentlicht wurde. Der Orden der Ritter Unserer Lieben Frau dankt dem Bischof für das klare Bekenntnis zum Leben!

 

Wird Sterben Pflicht? – Bischof Voderholzer zum Urteil des Bundesverfassungsgerichts über „selbstbestimmtes Sterben“.

 

(Regensburg, 27.02.2020)

Am Aschermittwoch, an dem das Auflegen des Aschenkreuzes an die Vergänglichkeit eines jeden Menschen erinnert, hat der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer Stellung bezogen zum jüngsten Urteil des Bundesverfassungsgerichts.

 

Das Bundesverfassungsgericht sieht ein Recht auf „selbstbestimmtes Sterben“ und hat deshalb den Paragrafen 217 für nichtig erklärt. Dieses sogenannte Recht auf selbstbestimmtes Sterben schließe „die Freiheit ein, sich das Leben zu nehmen“, sagte Gerichtspräsident Andreas Voßkuhle am Mittwoch in Karlsruhe. Das Verbot der geschäftsmäßigen Sterbehilfe ist damit nichtig.

 

Aber: Das Leben ist unverfügbar!

 

Mit großer Sorge auf dieses Urteil blickend, betonte der Regensburger Bischof, dass jedes „Leben unverfügbar ist“. Die Gefahr bestehe nun, dass das gesellschaftlich weit verbreitete Pochen auf „Selbstbestimmung“ umschlage in eine totalitäre Fremdbestimmung. Ein immenser gesellschaftlicher Druck kann sich entwickeln. Was geschieht, wenn auf alte und kranke Menschen der Erwartungsdruck ausgeübt wird, den Angehörigen oder dem Staat nicht zur Last zu fallen? Sollen sie ihren „Platz räumen“, um Kosten zu sparen? In diesem Kontext zitierte Bischof Voderholzer den Palliativmediziner und Vorstandsvorsitzenden der Deutschen PalliativStiftung Thomas Sitte: „Wer Sterbehilfe erlaubt, mache über kurz oder lang Sterben zur Pflicht.“

 

Vor dem Hintergrund des Urteils des Bundesverfassungsgerichts gewinnt die christliche Verantwortung eine neue Dimension, sagte der Bischof: „Wer Humanität schützen will, muss dafür eintreten, dass aktive Sterbehilfe unter keinen Umständen in Frage kommt.“ Es muss sich nach Kräften dafür eingesetzt werden, die Möglichkeiten der Palliativmedizin auszuschöpfen. Die Hospizbewegung müsse um ein vielfaches gefördert werden, auch was die öffentliche Wahrnehmung betrifft.

 

Bischof Voderholzer berichtete von seinen Erfahrungen, dass der Ruf nach aktiver Sterbehilfe in den meisten Fällen getragen sei von der Angst vor Schmerzen oder Einsamkeit.

 

Ohne Zweifel sei die Angst, am Lebensende auf Mitmenschen angewiesen zu sein, unter Schmerzen zu leiden oder alleingelassen zu werden, bei vielen Menschen präsent. Sie müsse ernstgenommen werden. Sterbenden müsse die bestmögliche palliativmedizinische und menschliche Hilfe angeboten werden. Aktive Sterbehilfe könne aber nicht die Lösung sein.

 

Bischof Voderholzer dankte deshalb allen, die sich in der Pflege sterbender Menschen einsetzen, und erinnerte an das Beispiel der heiligen Mutter Teresa.

 

Für die bevorstehende Fastenzeit, die vierzigtätige Vorbereitungszeit auf Ostern, lud Bischof Voderholzer die Mitfeiernden in der Regensburger Niedermünsterkirche ein, wieder vermehrt in den Blick zu nehmen, dass das Leben ein Geschenk ist. Jede Aufmerksamkeit für alte, kranke oder bedürftige Menschen, jeder Anruf, jeder Zuwendung, jeder Besuch am Krankenbett ist ein Werk der Barmherzigkeit.

 

Quelle: https://www.bistum-regensburg.de/news/wird-sterben-pflicht-bischof-voderholzer-zum-urteil-des-bundesverfassungsgerichts-ueber-selbstbestimmtes-sterben-7289/ abgerufen am 01.03.2020 ; 16:22 Uhr